Sibirien

Wenn es in Deutschland im Winter ein bisschen kälter ist als üblich, spricht man sofort in den Medien von „sibirischer Kälte“. Ja, für viele ist Sibirien der Inbegriff für den „ewigen Winter“, dem man besser nie im Leben begegnen möchte. Wölfe und Bären, Deportation und Verbannung, Unwegsamkeit und Grausamkeit prägen unsere Assoziationen und schließen den Gedanken, einmal nach Sibirien zu reisen, völlig aus. Doch Sibirien hat sich schon längst gewandelt.

In den deutschen Medien wird oft die Lage in Russland übermäßig dramatisiert. Außerdem berichten viele TV-Sendungen, die wiederholt ausgestrahlt werden, vom Anfang der 90-er Jahre, der Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion und der neuen politischen und wirtschaftlichen Orientierung Russlands, die natürlich sehr schwierig war. Nach mehr als zehn Jahren hat sich aber in vielen Lebensbereichen die Lage stabilisiert. Reisen nach Sibirien, einem Land, das so lange für den westlichen Besucher geschlossen war, gehören heute zu den sichersten in der Welt. Die einzigartige und unberührte Natur, das Gefühl der Freiheit in den unendlichen Weiten, die kulturelle und nationale Vielfalt des Landes und die russische Gastfreundschaft sind das gewisse Etwas, das eine besondere Anziehungskraft auf die Besucher ausübt. Außerdem ist man bemüht, die touristische Betreuung mehr und mehr an den internationalen Standard anzugleichen.

Also, was wissen wir wirklich über Sibirien?
„Schlafendes Land“ bedeutet das Wort Sibirien in der Übersetzung aus dem Tatarischen. Dieses gigantische Land liegt zwischen Ural und Pazifik. Mit einer Ost-West-Ausdehnung von über 7 000 Kilometern und einer sich über 3 500 Kilometer erstreckenden Nord-Süd-Achse ist Sibirien fast ein Kontinent für sich. Der sibirische Raum umfasst eine Fläche, die 35-mal größer als Deutschland ist und bedeckt mit etwa 12,5 Millionen Quadratkilometern ein Drittel der nördlichen Hemisphäre. Daher haben die Bewohner Sibiriens auch ein ganz anderes Zeitgefühl als die Europäer. Man hat Zeit und bei diesen Entfernungen ist es auch kein Wunder.
Dieses Land blieb jahrhundertelang unberührt und auch heute gibt es noch viele große Flecken, die kein menschlicher Fuß je betreten hat. Sibirische Steppe, Taiga, Tundra und Gebirge bieten dem Reisenden eine Menge Abwechslung. Doch wohl bei den meisten wird die Natur Sibiriens in erster Linie mit der Taiga in Verbindung gebracht, bei deren Anblick einem der Atem stockt, denn die Taiga ist neben dem tropischen Regenwald das größte Waldreservoir unseres Planeten. Außer der Lärche, der Königin der Taiga, wachsen hier Tannen, Kiefern, Fichten, Birken, Pappeln, Weiden und Erlen. Im Süden Ostsibiriens, auf der geografischen Breite Norddeutschlands, liegt der tiefste See der Welt, der Baikalsee. Seinen Umrissen nach einem Bumerang ähnlich, erstreckt sich der See von Norden nach Süden etwa über dieselbe Entfernung, die Petersburg von Moskau trennt. Ein Passagierschiff braucht ganze fünf Tage für eine Fahrt entlang dem Baikalsee-Ufer.

Über 50 000 Flüsse durchziehen Sibirien. Hier verlaufen fünf der zwölf größten Flüsse der Welt: Irtysch, Ob, Jenissej, Lena und Amur. Die von Süden nach Norden fließenden Ströme haben als Verkehrswege große Bedeutung, doch sind sie im Süden etwa fünf Monate und im Norden bis zu acht Monaten mit einer dicken Eisschicht bedeckt. Die Hauptverkehrsader Sibiriens ist die Transsibirischen Eisenbahn. Durch Fernstraßen ist Sibirien kaum erschlossen. Das Klima Sibiriens ist kontinental mit kalten Wintern und heißen Sommern. Die Durchschnittstemperaturen im Juli schwanken zwischen 5 und 23 Grad, im Januar zwischen -12 und -48 Grad. Doch das bedeutet nicht, dass der Aufenthalt in den Wintermonaten in Sibirien unerträglich ist. Im Gegenteil, Sie erleben den Winter hier wie er in Europa kaum noch vorkommt, und bei –25 Grad sind Sie in einem echt sibirischen Pelzmantel, mit Fäustlingen, einer „Pelzschapka“ auf dem Kopf und nach 100 Gramm kristallklarem russischen Wodka wie ein Bär geschützt. Außerdem werden Sie meistens von schönem Wetter begleitet, da die Sonne fast überall in Sibirien überdurchschnittlich oft scheint. Aber Sibirien bedeutet nicht immer Eis und Schnee; in den kurzen, aber heißen Sommermonaten laden viele kleine und große Flüsse zum Baden ein.

Die Erde birgt hier ihre größten Reichtümer an unterschiedlichsten Bodenschätzen: Erdöl, Erdgas, Zinn, Kohle, Erze, Gold, Diamanten u.a. Jahrhundertelang entwickelten sich die sibirischen Völker weit von der Zivilisation entfernt. Die Eroberung von Sibirien wurde Ende des 16. Jahrhunderts begonnen, 1586 wurde die erste russische Stadt Tjumen gegründet. Der wichtigste Motor der erstaunlich raschen Expansion nach Osten war die Erbeutung von Pelzen. Dabei stützte sich der russische Staat vor allem auf die Kosaken. Schon 1607 war der Jenissej erreicht, 1632 wurde an der Lena die Festung Jakutsk errichtet, 1639 standen die ersten Russischen Trupps am Pazifik und 1645 an der Amurmündung. Etwas langsamer kam die Expansion im Süden, am Steppenrand, voran: 1643 wurde der Baikalsee entdeckt und 1652 bis 1661 die Festung Irkutsk begründet. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts griff die russische Expansion dann auch in den äußersten Nordosten Eurasiens, auf die Halbinseln Tschukotka und Kamtschatka, über. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatten die Russen die nichtrussische Bevölkerung Sibiriens zahlenmäßig schon überflügelt. Die ethnischen Gruppen Sibiriens waren mit Ausnahme der islamischen Tataren Anhänger der Schamanenreligion.
Heute leben etwa 30 Millionen Menschen in Sibirien. Gut 20 Prozent der Bevölkerung Russlands sind auf 75 Prozent des Territoriums verteilt. Die Besiedelung erstreckt sich hauptsächlich auf einem Gürtel beiderseits der Transsibirischen Eisenbahn und zu einem geringeren Teil entlang den großen Flüssen. Die Bevölkerung besteht zu mehr als 90% aus Russen, Ukrainern und Weißrussen, die im 16. – 17. Jahrhundert als Eroberer, ab 17. Jahrhundert als Jäger und Goldsucher, ab 18. Jahrhundert als Deportierte, ab Ende des 19. Jahrhunderts als Bauern und seit dem Beginn der Industrialisierung als Arbeiter einwanderten. Die Ureinwohner machen etwa 4% der Gesamtbevölkerung aus. Das sind vor allem Chanten, Mansen, Ewenken, Burjaten, Jakuten, Nenzen, Tschuktschen und andere. Doch das ist die offizielle Statistik. In Wirklichkeit aber sind die Einwohner von Sibirien eine multikulturelle Gesellschaft, denn zwischen den Ureinwohnern und den russischen Neuankömmlingen kam es zu einer Vermischung der Gene, Sprachen und Lebensarten. Und unabhängig von der Angehörigkeit zu dem einen oder anderen Volk nennen sich alle stolz „Sibirjak“. Sibirien ist also mehr als ewige Kälte und Bären.

Werfen wir einmal einen Blick auf die Weltkarte. Wäre es nicht faszinierend, diesen Teil Russlands, der größer als jedes andere Land der Erde ist, einmal zu besuchen? Ohne Zweifel gehören wir, die Deutschen, zu den reiseerfahrensten Völkern. Doch ohne dieses im Osten liegende weite Land kennen gelernt zu haben, darf man wohl kaum behaupten, dass man die ganze Welt gesehen hat. Heute haben wir endlich diese Möglichkeit. Also machen wir uns auf den Weg! Die schönste und wohl bequemste Art Sibirien zu entdecken, ist die Fahrt auf der legendärsten und längsten Bahnroute der Welt, die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn.
Und nach Ihrer Heimkehr werden Sie verstehen, welch Kleinod dieser Welt Ihnen hätte entgehen können.

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Sibirisches Haus

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